Itzehoe –
Doppelbauer Kiel II 5,5:2,5
Jetzt ist
vermutlich auch der letzte Zweifler davon überzeugt, dass wir die Klasse halten
werden. 10 Mannschaftspunkte sind selbst dann genug, wenn etwa aus der Landesliga
noch über Gebühr Mannschaften in die Verbandsligen absteigen sollten.
Arno
verliert heute seine Unschuld. Obwohl mit viel Mühe auch diesmal die weißen
Farben für ihn reserviert sind, kann er das Bollwerk seiner Gegnerin nicht
stürmen, ohne Schaden am eigenen König zu nehmen – wenigstens redet er sich das
ein und bietet lieber ein Remis an, das sofort akzeptiert wird. Noch schneller
fertig ist Sven, der seinen Gegner überredet auf Bauernraub zu gehen. Dies wird
ortsüblich mit heftigem Angriff und letztendlichem Matt bestraft.
Egbert
vermag aus einer zähen Stellung ohne wirkliche Schwächen auf beiden Seiten nur
den dann folgerichtigen halben Punkt zu extrahieren.
Zwischenstand
also 2:1 für uns und alle anderen Partien stehen gut bis auf Roland, der gegen
seinen 13-jährigen Gegner nicht in Tritt kommt. Dies mag überraschen, doch wie
stark die Jugendabteilung bei den Doppelbauern arbeitet erhellt sich bei
Betrachtung ihrer diversen Erfolge, die schon für sich sprechen.
Sören wehrt
die ziemlich direkte Art seines Gegners, mit Schwarz schon aus der Eröffnung
auf Vorteil zu spielen, überlegt ab und gewinnt folgerichtig einen Bauern. Da
sich sein Gegner immer noch im Angriff wähnt, kann Sören seinerseits direkt den
schwarzen König attackieren und entscheidenden Materialgewinn erzielen.
Meinen
Gegner kenne ich bereits aus einer Partie von vor 26 Jahren. Wieder stellt er
frühzeitig alle Versuche ein, Vorteil aus den weißen Steinen zu ziehen. Obwohl
es also schwierig ist, ihn aus seiner Festung zu locken, gelingt es mir, die
eine oder andere Schwäche zu provozieren. Letztlich kann aber auch er der
Versuchung eines Bauerngewinnes nicht widerstehen und läuft in eine Abwicklung,
in der er seinem König nur unter schwersten Verlusten das nackte Leben erhalten
könnte, was ihn darauf hin zur Aufgabe veranlasst.
Kalle hat
eine Stellung, die von außen recht verknotet erscheint. Er steht etwas besser,
kann aber nicht wirklich einen Hebel finden, um den Vorteil auszubeuten.
Der Gegner
hat ein Einsehen und hilft mit schlechten Zügen aus.
Schon steht
es 5:1 und der Wettkampf ist nach nicht einmal vier Stunden schon entschieden.
Roland kann
zwar seine Stellung nicht mehr halten, da er zu allem Überfluss auch noch eine
Qualität einbüßen muss. Bei Stefan hingegen sieht es genau umgekehrt aus. Er
hat eine Qualität gewonnen und besitzt eine glatte Gewinnstellung. Doch in der
fünften Stunde wird diese Stellung immer weniger gewonnen. Die Qualität opfert
Stefan zurück und verbleibt mit einem Minusbauern im Turmendspiel. Aufgrund vorhandener
Kompensation in einem weit vorgerückten und gedeckten Freibauern kann Stefan
die Partie aber remis halten und sich wenigstens teilweise für seine gute
Partieanlage belohnen.
Jetzt
fahren wir nach Elmshorn und fragen dort höflich an, wo wir die Punkte abgeben
können – oder auch nicht.
Spieltag 6 : endlich haben wir eine neue Spielstätte gefunden - die
Begegnungsstätte Wellenkamp. Man kann nur positives darüber berichten,
insbesondere ist es sehr großzügig und ruhig. Sören hatte anscheinend die
gesamten Vorräte von zuhause mitgebracht, dazu einen Kaffeautomaten. Perfekt.
Zwei
Mitstreiter mussten wir ersetzen, Jochen und Hauke, die von Roland und Stefan
vertreten wurden. Nach Jochens früher Absage war es klar, dass noch jemand
ausfiel - Arno spielt mit weiß. Unsere Gegner kamen mit einer gefährlichen
jungen Truppe, die Aufstellung entsprach in etwa dem Schnitt der vorherigen
Runden.
Sehr
schnell ging es bei Sven. Nach einem Bauernopfer erlangte er zügig eine starke
Initiative, die bald zu einem Figurengewinn führte. Der Versuch eines Gegenspiels
scheiterte an einem Matt in drei Zügen. Lehrbuchhaft.
Arno
griff an... was sonst. Aber seine Gegnerin Ursula Hielscher hielt stand; es
entstand eine offene Linie, auf der sich alle Schwerfiguren abgetauscht hätten.
Die dann verbleibenden Leichtfiguren neutralisierten sich gegenseitig in einer
sehr verschachtelten Stellung. Manche Figuren hätten nie das Lager des Gegners
erreichen können. Ein logisches remis.
Ich hatte
wiederum mit schwarz eine zunächst gedrückte, aber mit besserer Bauernstellung
ausgestatte Stellung erreicht. Mit einigen weiteren Zügen lockerte ich die
Stellung meines Gegners Bent Johannsen zusätzlich,
übersah dabei aber, dass meine Dame nicht gut einer ewigen Verfolgung seines
Läufers ausweichen konnte. Mein remis-Angebot wurde angenommen.
Sörens
Gegner hatte mit wenigen Figuren angegriffen, dabei einen Bauern verloren.
Sören nahm dankend an, hatte klaren Entwicklungsvorsprung. Nach einem Fehler
opferte Sören vorübergehend seinen Läufer, bekam aber kurz danach einen ganzen
Turm wieder. Ne Menge Holz- Qualität mehr, zwei Bauern, klaren
Entwicklungsvorsprung, Angriff gegen den König... zu viel für seinen Gegner,
der aufgab.
Kalle
spielt gegen Tilo von Koschitzki. Recht interessante
Bauernstellungen waren hier zu sehen, bis plötzlich von Koschitzki
einen Turm auf ein gedecktes Feld stellte. Kalle nahm ihn mit einem Läufer,
hatte nun aber eine wuchtige Bauernwalze vor sich, stellte seine Türme auf die
h- und g- Linie (fast wie gegen Agon) und verkroch sich mit dem König,
jederzeit abwanderungsbereit in Richtung Damenflügel. Sein Gegner öffnete die
Stellung, sah sich dann aber den beiden Türmen gegenüber, dazu noch einem
Springer, der tödlich im Zentrum erschien und im Verbund mit einem Turm einen
Läufer eroberte. Punkt für Kalle, 4 : 1 für uns.
Hajo
hatte gegen Hoffmann schnell eine Stellung, die ihm zu liegen schien. Immer
wieder gab es Nadelstiche, die seinem Gegner vor allem Zeit kostete. Dann
allerdings verlor Hajo scheinbar entscheidend einen Bauern. Nichts da, ein
Tausch... ein Abzugsschach... Qualle gewonnen. Der Turm wurde zwar eingesperrt
und musste sich zurückopfern gegen einen Läufer, aber die restlichen Figuren
trieben den weißen König über das Feld, Dame und Turm von Hajo drangen ein, der
Läufer zudem ein Riese. Kurz vor der Erkenntnis, Haus und Hof verlieren zu
müssen gab Hajos Gegner auf.
Und so
waren die beiden letzten Entscheidungen unseren Ersatzspielern vorbehalten.
Roland hatte wohl die undankbarste Aufgabe von uns allen :
ein 13-jähriger (Lukas Wanner) mit einer DWZ von knapp 1700; die Spielstärke
liegt sicher in einem Bereich von etwa 1900. Roland hielt lange eine nahezu
ausgeglichene Stellung, machte dann aber einen unglücklichen Damenzug, der
sogleich die Qualle kostete. Sein Gegner spulte den Rest routiniert herunter;
Damentausch, Turmtausch, erzwang dann den Tausch eines Springers, der Roland
chancenlos mit Springer gegen Turm zurück gelassen hätte :
Roland gab auf. Toll gespielt von seinem Gegner, muss man anerkennen.
Stefan
wusste wahrscheinlich gar nicht, dass er gegen der Topscorer
der Kieler spielte (Sebastian Dittmann, bisher 4,5 aus 5), denn sonst hätte er
vielleicht nicht so kreativ drauf los gespielt. Schnell wurde eine Qualle
gewonnen, sein Gegner hatte einen Bauern dafür, aber das war nie und nimmer
genug. Dann aber machte Stefan einen unglücklichen Königszug und musste die
Qualität zurückgeben. Leider entscheid er sich auch noch für den aktiven Turm,
Stefans König und Turm standen beide falsch, in meinen Augen war der Drops gelutscht.
Nach einigen Ungenauigkeiten seines Gegners tauschten die beiden (K+T) aber die
Plätze, der König blockierte den gegnerischen Freibauern, sein Turm fing an,
übergroße Aktivität zu entwickeln. Am Ende hatte Stefan wiederum den richtigen
Plan - der König blockierte den einen Bauern von vorn, der Turm den anderen von
hinten, und der schwarze König kam nicht an Stefans weit vorgerückten Bauern
heran. Zugwiederholung, remis. Endstand 5,5 : 2,5 für uns, sehr, sehr
erfreulich.
Ein Blick
auf die homepage vom svsh:
Glückstadt gewinnt hoch gegen Agon, Heide und Hademarschen gewinnen gegen die
designierten Absteiger Flintbek und Hessenstein. Elmshorn fehlt noch ...
Elmshorn ist da, Niederlage in Quickborn! Meine Kinnlade fällt fast runter.
Aber in Wahrheit hat sich nicht viel geändert. Sie sind nach Brettpunkten vor
uns, wenn wir an ihnen vor bei wollen, müssen wir so oder so am nächsten
Spieltag in Elmshorn gewinnen. Und wir wollen : wir
haben eine Chance, wenn auch rechnerisch eine kleine. Und das Momentum ist ganz klar auf unserer Seite.
Mit Arno
und Sven haben wir zwei der top drei unserer Klasse (Zweiter ist immer noch
Dittmann aus Kiel), mit Sören und Hajo weitere Top-Scorer
(11. und 14.). Das sieht richtig gut aus.
Zu meinem
Leidwesen musste ich feststellen, dass sich Sven für die Vereinsmeisterschaft
angemeldet hat... schluck. Ich werde schon mal mein Kettenhemd bügeln.
Egbert
Hengst